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Dolmetscher Geschichte des Dolmetschens

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Zitat des Tages

„Übersetzungen sind wie Frauen. Sind sie schön, so sind sie nicht wortgetreu. Sind sie wortgetreu, so sind sie ganz sicherlich nicht schön.“ “Translation is like a woman. If it is beautiful, it is not faithful. If it is faithful, it is most certainly not beautiful.” Yevgeny Yevtushenko (Russischer Dichter und Schriftsteller /Russian poet and writer, *1932)
Eine kurze Geschichte des Dolmetschens

Es steht nicht fest, wann genau die mündliche Sprache entstand, aber es ist anzunehmen, dass nicht lange, nachdem Zeichen und Gesten den Menschen nicht mehr länger ausreichten, um sich untereinander zu verständigen, auch die ersten Dolmetscher auf den Plan traten, um die Verständigung zwischen Benützern unterschiedlicher Sprachen zu ermöglichen.

Die ältesten erhaltenen Quellen zu Dolmetschern stammen aus dem Alten Ägypten. Es handelt sich um mehrere Flachreliefe, die Einblick in die Arbeit der Dolmetscher geben. So trägt z.B. die Grabinschrift eines Prinzen von Elephantine aus dem 3.Jhdt.v.Chr. einen Hinweis auf einen Dolmetscher, der als „Vorarbeiter der Dolmetsch“ bezeichnet wird. Wie auch andere Dokumente belegen, waren Dolmetscher zu jener Zeit bereits fester Bestandteil des öffentlichen Dienstes und werden von Herodot als einer der ägyptischen Berufsverbände bezeichnet. Sie arbeiteten in der Verwaltung, im Handel, im religiösen Leben und in der Armee.

Auch die Griechen und die Römer bedienten sich regelmäßig der Dienste von Dolmetschern, die selbstverständlich zu jener Zeit ausschließlich die Methoden der Flüster- und Gesprächsdolmetschung benutzten. So z.B. bezog sich Cäsar im „Gallischen Krieg“ auf die Beistellung der „üblichen Dolmetscher“ und Cicero stellte die noch heute gültige Regel auf, nur ein dummer Dolmetscher übersetze wortwörtlich. Dolmetscher waren schon deshalb erforderlich, da nur sehr wenige Römer und Griechen die Sprachen der von ihnen eroberten Völker erlernten, da sie dies als unter ihrer Würde betrachteten. Die Anwesenheit von Dolmetschern hatte somit auch politische Implikationen, da es die römische Staatsräson gebot, sich ihrer Dienste selbst in Situationen, in denen es nicht unbedingt erforderlich war, zu bedienen, um die römische Überlegenheit zu unterstreichen wie auch Valerius Maximus in seinen Schriften immer wieder betonte. Allerdings waren Dolmetscher zu jener Zeit nicht unbedingt hochgeschätzt. Meist handelte es sich um Sklaven, Kriegsgefangene oder Bewohner aus Grenzgebieten, kurz um Personen, deren Treue man sich nicht sicher sein konnte. Die Tatsache, dass sie fremde Sprachen sprachen, rückte sie in die Nähe derer, die in Trance mit den Göttern kommunizierten oder der Medizinmänner, die mit Dämonen über Krankheiten sprechen konnten. So soll sich der römische Kaiser Caracalla etwa mit den Fürsten eroberter Völker verbündet und versucht haben, sie dazu zu gewinnen, im Falle seiner Ermordung gegen Rom zu marschieren. Da die einzigen Zeugen bei diesen Gesprächen die Dolmetscher waren, ließ er sie gleich im Anschluß an die Verhandlungen ermorden.

Im Mittelalter jedoch erlangte der Berufsstand der Dolmetscher hohes Ansehen. Sie wurden zuerst zu bewunderten Persönlichkeiten und danach sogar zu Mitgliedern des Hofes. Neben ihrer bedeutsamen Rolle bei Verhandlungen zwischen verschiedenen Völkern in Kriegs- wie in Friedenszeiten, bei Handelsexpeditionen oder den Kreuzzügen erlangten Dolmetscher nun auch bei der Christianisierung große Bedeutung. Sie wurden eingesetzt in Klöstern, wo Mönche verschiedenster Nationalitäten und Herkunft zusammenlebten, bei Konzilen und Synoden und zogen mit Missionaren und Predigern in weit entfernte Gebiete. Es gab auch Versuche, Universalsprachen zu entwickeln – häufig auf der Grundlage der Kabale – aber die Verwendung von Dolmetschern blieb nach wie vor die einzige wirksame Methode der Verständigung zwischen Völkern, die unterschiedliche Sprachen sprachen.

Die Entdeckung der Neuen Welt durch Kolumbus und die Expansionen nach Afrika brachten wiederum die Notwendigkeit des Einsatzes von Dolmetschern zu Tage. Allerdings waren die mitgenommenen Arabisch- und Hebräischdolmetscher nur von begrenztem Nutzen und bald schon bediente man sich gefangener Ureinwohner, denen die Sprache der Eroberer beigebracht wurde und die bei späteren Expeditionen als Dolmetscher eingesetzt wurden bzw. der Dienste gefangengenommener und später befreiter Eroberer, die in der Gefangenschaft die Sprache und Sitten der Ureinwohner erlernt hatten. In Kanada wurden „ansässige Dolmetscher“ eingesetzt, Franzosen, die sich bei den Huronen und Irokesen niedergelassen hatten und als vertrauenswürdiger angesehen wurden als die Indianer selbst. Sie spielten eine wichtige Rolle bei der Entwicklung der Handelsbeziehungen zwischen Franzosen und Eingeborenen.

Ähnlich verhielten sich die Dinge bei der Erforschung und Missionierung des asiatischen Kontinents. Um den Umgang mit chinesischen Beamten und Intellektuellen zu erleichtern, übersetzten die Missionare die Werke westlicher Wissenschaft, jedoch auch christliche Texte. Und im 17.Jahrhundert machte ein Dolmetscher eine erstaunliche Karriere – Constantin Phaulcon, ein Grieche, der als Schiffsjunge begonnen hatte, erlernte Englisch, Französisch, Portugiesisch und Siamesisch, stieg in der Ostindischen Kompanie rasch zu hohen Ämtern auf und wurde schließlich sogar Premierminister am Hof des siamesischen Königs.

In der Zwischenzeit entwickelte sich Französisch auf Grund der politischen Macht Frankreichs in Europa zur allgemeinen Sprache der Diplomatie, sodass der Bedarf an Dolmetschern zurückging. Allerdings fand diese Entwicklung nicht bei allen Staaten starken Anklang. So bevorzugte der Habsburger Kaiser Leopold I. an seinem Hof auf Grund seiner langen Feindschaft mit Frankreich Italienisch gegenüber Französisch und auch die ottomanischen Herrscher lehnten die Verwendung von Französisch und Latein bei ihren Kontakten mit den europäischen Staaten ab. An beiden Höfen wurden daher eigene Dolmetscher ausgebildet. In Konstantinopel wurde zu diesem Zweck die Dragomanische Schule ins Leben gerufen und in Wien gründete Kaiserin Maria Theresia die Orientalische Akademie, die später in „Diplomatische Akademie“ umbenannt wurde und noch heute besteht. Dolmetscher wurden weiterhin von Missionaren und Kaufleuten, Generälen und Revolutionären, Kaisern und Eroberern eingesetzt, während die Diplomaten sich jedoch bis zum 1.Weltkrieg vor allem des Französischen bedienten. Bei der Konferenz von Paris nach dem 1. Weltkrieg jedoch verlangten die Unterhändler, auch andere Sprachen sprechen zu können und bedienten sich daher der Dienste von Konsekutivdolmetschern.

In der Zwischenkriegszeit kam es durch die rasche Entwicklung großer internationaler Gremien wie dem Völkerbund und der Internationalen Arbeitsorganisation IAO zu immer mehr Kontakten auf hoher Ebene, die den Bedarf an Dolmetschern und Verdolmetschung in verschiedene Sprachen vervielfachten. Anfangs wurden die Sitzungen konsekutiv gedolmetscht, das heißt, die Dolmetscher nahmen während der Reden Notizen in einer eigenen, zu diesem Zweck entwickelten Kurzschrift und verdolmetschten das Gesagte anschließend an den Redner von einem Podium, was beinahe ebenso lange Zeit in Anspruch nahm wie die ursprüngliche Rede und somit die Sitzungen unerträglich verlängerte und ihnen jegliche Spontaneität nahm.

Daher kam es bald zu verschiedenen Anstrengungen, eine neue Art des Dolmetschens zu entwickeln, die weniger zeitraubend und für alle Beteiligten vorteilhaft sein sollte – das Simultandolmetschen. Dieses System wurde beinahe zeitgleich in den USA und der Sowjetunion entwickelt. Der Redner steht in direkter Verbindung mit dem Dolmetscher, der seinerseits wiederum mit den Zuhörern verbunden ist und zwar über ein anfangs äußerst kompliziertes System von Kabeln, Mikrophonen und Kopfhörern. Zu Beginn schätzten die Dolmetscher diese Technik gar nicht, da sie befürchteten, zu der erniedrigenden Aufgabe verdammt zu sein, Wort für Wort zu wiederholen, was sie hörten, ohne Zeit zu haben, über das Gehörte nachzudenken oder die eleganteste Formulierung zu finden. Die Amerikaner übertrugen die Aufgabe der Entwicklung der Simultandolmetsch-technik Colonel Leon Dostert, einem früheren Dolmetscher von General Eisenhower. Es gab nur wenig, worauf Dostert sich stützen konnte, so etwa die Experimente des Dolmetschers Andrea Kaminker, der sein eigenes Simultanübersetzungssystem für den französischen Rundfunk entwickelt hatte und so die erste große Rede Hitlers 1934 übersetzte. Ungefähr zur selben Zeit verwendete auch die IAO ein sogenanntes „simultanes Telephonsystem“, das jedoch auch keinen durchschlagenden Erfolg brachte.

Unumgänglich war die neue Dolmetschtechnik bei den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen, die in den Sprachen Englisch, Französisch, Russisch und Deutsch übersetzt wurden. Die Dolmetscher saßen direkt bei den Angeklagten und arbeiteten in drei Teams von jeweils 12 Dolmetschern nach einer strikten Zeiteinteilung: während Team A 45 Minuten dolmetschte, hörte Team B in einem Nebenraum zu. Nach einer Pause wurden die Rollen vertauscht. Team C hingegen hatte in der Zwischenzeit einen halben Tag Pause. Die Simultandolmetschung ermöglichte nicht nur eine bedeutende zeitliche Verkürzung des Prozesses, sondern erhöhte auch die Genauigkeit beträchtlich.

Ab diesem Zeitpunkt setzte sich die Simultandolmetschung durch und verdrängte die Konsekutivtechnik beinahe vollkommen, die nur mehr bei besonderen Anlässen wie etwa Tischreden oder speziellen Konferenzen, bei denen keine Simultandolmetschtechnik zur Verfügung steht, eingesetzt wird. So verabschiedeten zum Beispiel die Vereinten Nationen 1947 die Resolution 152, durch die Simultandolmetschung als permanenter Dienst eingeführt wurde. Sie wird heute bei der UNO in den Sprachen Englisch, Französisch, Spanisch, Chinesisch, Russisch und Arabisch angeboten. Auch die EU bietet Simultandolmetschung in allen 23 Amtssprachen der Union, was mehrere hundert Sprachkombinationen ermöglicht und die Konferenzplanung zu einer komplizierten Angelegenheit werden lässt, wofür häufig Computer eingesetzt werden.

Die Sprache zu verstehen und alle Nuancen und subtilen Unterschiede der gesprochenen Sprache wiederzugeben ist jedoch nicht etwas, wozu Computer in der Lage wären. Sprachen sind der lebendige Ausdruck einer Kultur, eines sozialen Kontextes, der Traditionen und Geschichte eines Volkes, der Laune und Launen des Sprechers, seiner sozialen Herkunft und seines Berufes, seines persönlichen Charakters und vor allem seiner Intentionen. Nur das menschliche Gehirn eines professionellen Dolmetschers ist in der Lage, die vielfältigen Manifestationen der Kombinationen dieser Charakteristika in einer fremden Sprache und im jeweiligen Kontext zu begreifen und richtig wiederzugeben.